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von | Sep. 28, 2025

benedikt stentrup familie vater brueder

In diesem Artikel

  • Mein Weg: Die Entscheidung für externe Erfahrung
  • Die Vorteile externer Berufserfahrung vor der Nachfolge
  • Die Nachteile: Was gegen externe Erfahrung sprechen kann

Stell dir vor, du stehst vor einer der wichtigsten Entscheidungen deiner beruflichen Laufbahn: Soll ich als Kind direkt in das Familienunternehmen einsteigen oder erst einmal woanders wertvolle Erfahrung sammeln? Diese Frage spaltet Familien und Experten gleichermaßen – und kann über den Erfolg deiner Nachfolge entscheiden.

In diesem Artikel berichte ich von meinen persönlichen Erfahrungen und wie ich heute, fast zehn Jahre nach dem Einstieg in das Unternehmen meines Vaters, auf diesen Weg zurückblicke. Lies weiter, denn die Antwort könnte für dich den entscheidenden Unterschied machen.

Mein Weg: Die Entscheidung für externe Erfahrung

Bevor ich das Unternehmen von meinem Vater übernommen habe, habe ich bewusst zehn Jahre lang woanders Berufserfahrung gesammelt:

  • Zuerst bei einem Marktbegleiter, der deutlich größer war, als Bauprojektleiter. Dort hatte ich auch schon als Werkstudent gearbeitet und meine Diplom-Arbeit geschrieben.
  • Danach war ich bei zwei international tätigen Herstellern für spezielle Baumaterialien und Geräte. Dort durfte ich umfangreiche Vertriebs-Erfahrung sammeln. Zuletzt war ich bei diesem Betrieb als Vertriebsleiter und angestellter Geschäftsführer tätig.

Erst dann, auf dem 60. Geburtstag meines Vaters, kam der Ball der Nachfolge ins Rollen. Bald darauf entschied ich mich, meinen Vater im Unternehmen zu beerben.

Ich versuche nun abzuwägen, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn man als Sohn oder Tochter erst einmal außerhalb des Familienbetriebes Erfahrungen sammelt.

Die Vorteile externer Berufserfahrung vor der Nachfolge

Wer den Schritt in die weite Welt wagt, profitiert in vielerlei Hinsicht:

Realistischer Blick auf betriebliche Abläufe

Man bekommt einen realistischen Blick für betriebliche Abläufe, da man ja woanders nicht als zukünftiger Chef angesehen wird, sondern ein „normaler Angestellter“ ist. Erst recht, wenn du woanders deine Ausbildung machst oder im/nach dem Studium dort einsteigst.

Breites Spektrum an Erfahrungen mitbringen

Du bringst wertvolle Erfahrungen mit, die dein Familienunternehmen bereichern:

  • Fachliche Erfahrung: Je nachdem, ob du in der gleichen Branche tätig bist wie der eigene Familienbetrieb, sammelst du spezifisches Know-how.
  • Kaufmännische Fähigkeiten: Auch bei anderen Betrieben gibt es ein Controlling oder einen Jahresabschluss – Wissen, das dir später nützlich ist.
  • Führungserfahrung: Du kannst hier ohne den „Chef-Joker“ spielen zu können, echte Führungsfähigkeiten aufbauen und Verantwortung übernehmen.
  • Soziale Kompetenzen: Im Umgang mit Kollegen, Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Behörden entwickelst du wichtige soziale Kompetenzen.

Neue Ideen und Perspektiven entwickeln

Man bringt neue Ideen und andere Perspektiven mit, weil in dem anderen Betrieb ja Dinge anders gemacht und ggf. sogar besser gemacht werden als im elterlichen Betrieb. Bei mir war es so, dass mein erster Arbeitgeber nach dem Studium bundesweite Niederlassungen hatte, ganz klare Strukturen hatte und viel größere Projekte stemmen konnte als das Unternehmen, das ich später übernommen habe.

Verständnis für die Wettbewerbsposition schärfen

Du bekommst ein besseres Verständnis für die Wettbewerbsposition des eigenen Unternehmens und kannst besser beurteilen, wie das eigene Familienunternehmen aufgestellt ist. Das kann sowohl Produkteigenschaften betreffen, aber auch wie hoch die allgemeinen Geschäftskosten sind.

Ein wertvolles Netzwerk aufbauen

Man baut ein Netzwerk auf und lernt schon Geschäftspartner kennen oder weiß schon, wie in manchen Branchen Lobbyarbeit funktioniert, oder wie technisches Regelwerk erarbeitet wird.

Persönliches Wachstum und Reifung fördern

Man reift und wächst als Mensch. Das kann helfen den eigenen Weg zu finden, weil man sich ohne die Familie im Rücken selber profilieren muss. Vielleicht hat man ja auch das Glück, dass dort auch schon Personalentwicklung betrieben wird und man auch Führungskräftetrainings mitmachen darf, von denen man später als Nachfolger noch profitiert.

Höheres Ansehen als Nachfolger etablieren

Man kommt nicht als Sohn/Tochter ins Unternehmen: Man muss weniger beweisen und genießt ein höheres Ansehen, weil man ja woanders schon etwas erreicht hat. Das habe ich bei mir auch ganz stark gemerkt, es gab ja einzelne Mitarbeiter, die kannten mich noch von Ferienjobs für meinen Vater, aber die haben mich ganz anders wahrgenommen, weil sie wussten, dass ich auch ohne Unterstützung meines Vaters woanders Karriere gemacht hatte.

Ich hatte übrigens das Glück, dass ich während meiner Zeit vor der Nachfolge immer Chefs hatte, die mich gefordert und gefördert haben. Ich habe dort verantwortungsvolle Projekte und Aufgaben erhalten, musste mich dabei natürlich auch beweisen, habe aber sehr viel dabei gelernt. Zu meinen ehemaligen Chefs habe ich auch heute noch Kontakt.

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Die Nachteile: Was gegen externe Erfahrung sprechen kann

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die externe Erfahrung bringt auch potenzielle Nachteile mit sich:

Verlust der Betriebsbindung

Wer längere Zeit außerhalb arbeitet, verliert möglicherweise den engen Bezug zum eigenen Familienunternehmen und dessen spezifischen Abläufen. Es besteht das Risiko, dass die emotionale Bindung zum Betrieb oder zur Belegschaft abnimmt. Im Extremfall kann es ja auch sein, dass man sich dann irgendwann gar nicht mehr vorstellen kann, in den heimischen Betrieb zurückzukehren.

Verpasste interne Entwicklungschancen

Wer frühzeitig im Familienunternehmen einsteigt, kann gezielt auf die spätere Übernahme vorbereitet werden und internes Wissen aufbauen. Das ist auch ein bisschen abhängig vom Alter der abgebenden Person: Die Zeit, die der Nachwuchs außerhalb des Familienbetriebes verbringt, verzögert die Übernahme – das kann problematisch sein, wenn der Generationswechsel zeitkritisch ist oder der Senior früher ausscheiden möchte.

Frühzeitige Einbindung ermöglicht es, das Unternehmen und seine Kultur von Grund auf kennenzulernen und sich ein internes Netzwerk zu schaffen.

Potenzieller Widerstand gegen Veränderungen

Wer mit neuen Ideen und externen Erfahrungen zurückkehrt, stößt nicht selten auf Widerstand bei der älteren Generation oder langjährigen Mitarbeitern. Die Umsetzung von Innovationen kann durch tradierte Strukturen erschwert werden.

Fazit: Der beste Weg ist individuell – und planbar

Man kann also nicht pauschal sagen, welches der bessere Weg in die Nachfolge ist. Ich persönlich bin ein Verfechter davon, wenn Kinder erst einmal außerhalb des Familienbetriebes Erfahrungen sammeln, da mir dieser Weg fachlich und menschlich sehr geholfen hat. Ohne meine externen Erfahrungen hätte ich nicht so ein gutes Handwerkszeug gehabt und wir hätten nach meinem Einstieg das Familienunternehmen nicht so stark wachsen lassen können.

Aber wie gesagt, es gibt auch genügend Beispiele, wo Kinder direkt mit der Ausbildung oder unmittelbar nach dem Studium in den elterlichen Betrieb gehen. Hier denke ich, ist externe Unterstützung und sehr gute Kommunikation nötig, damit die Verantwortungs-Übernahme für Senior und Junior und auch vor den Augen der Belegschaft gut klappen kann.

Die Rolle der Lebensphase bei der Nachfolgeplanung

Diese Planungen müssen natürlich auch zur jeweiligen Lebensphase passen: Mir hat die Nachfolge meines Vaters geholfen, wieder heimatnah sesshaft zu werden. Gerade wenn man kleine Kinder hat, ist es ja vorteilhaft, wenn man seine Eltern oder Schwiegereltern in der Nähe hat und notfalls ein Kind auch mal mit in den Betrieb nehmen kann. Das ist wahrscheinlich als normaler Angestellter deutlich schwieriger unter einen Hut zu bekommen. Hier liegen dann ganz klar die Vorteile des Familienunternehmens.

Häufige Fragen zu „Extern oder Direkt ins Familienunternehmen?“

Ist es für jeden Nachfolger besser, erst externe Erfahrung zu sammeln?

Nicht pauschal. Ich persönlich bin ein starker Verfechter davon, da es mir fachlich und menschlich sehr geholfen hat, ohne den „Chef-Joker“ echte Führungsfähigkeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. Es gibt aber auch erfolgreiche Beispiele für den Direkteinstieg, die dann aber gezielte externe Unterstützung und Kommunikation erfordern.

Wie lange sollte man idealerweise außerhalb des Familienunternehmens arbeiten?

Eine papezifische Zeitspanne gibt es nicht. Wichtiger als die Dauer ist die Qualität der Erfahrung: Sammle dort, wo du dich ohne den familiären Rückhalt profilieren musst, Verantwortung übernehmen darfst und fachliche, kaufmännische sowie soziale Kompetenzen aufbauen kannst. Ziel ist es, als Mensch zu reifen und ein unabhängiges Profil zu entwickeln.

Was, wenn mein Familienunternehmen mich jetzt braucht und keine Zeit für externe Erfahrung bleibt?

In zeitkritischen Situationen kann der Direkteinstieg notwendig sein. Hier ist es besonders wichtig, frühzeitig externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen und eine sehr offene Kommunikation zwischen Senior, Nachfolger und Belegschaft zu etablieren. Eine gezielte interne Entwicklung muss dann von Anfang an im Fokus stehen, um fehlende externe Perspektiven auszugleichen.

Wie gehe ich mit Widerstand um, wenn ich mit neuen Ideen aus der externen Erfahrung zurückkehre?

Widerstand gegen Veränderungen ist normal. Wichtig ist, nicht als „Besserwisser“ aufzutreten, sondern die neuen Ideen schrittweise und mit viel Empathie einzuführen. Baue zuerst Vertrauen auf, zeige den Mehrwert deiner Vorschläge und beziehe langjährige Mitarbeiter aktiv in den Entwicklungsprozess ein. Dein extern aufgebautes Netzwerk kann hier ebenfalls nützlich sein.

Kann der Kontakt zum Familienunternehmen während der externen Zeit verloren gehen?

Ja, dieses Risiko besteht. Wer sich zu lange und zu intensiv außerhalb engagiert, kann den Bezug zu den spezifischen Abläufen und zur Belegschaft des eigenen Familienunternehmens verlieren oder sogar die emotionale Bindung aufgeben. Eine bewusste Kommunikation und regelmäßige, aber nicht einmischende Kontakte können hier vorbeugen.

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