Stell dir vor, du hast eine Woche Urlaub. Kein Büro, kein Stress. Du sitzt irgendwo und schreibst an deinem Buch. Und weißt du, was in dieser ganzen Woche passiert? Nichts. Kein Anruf vom Team, keine dringende Mail, keine Kurznachricht. Einfach nichts. Klingt unrealistisch? Für mich war das neulich Realität – und ich bin Geschäftsführer mit aktuell 93 Mitarbeitern, Vater von vier Kindern und betreibe nebenbei die Nachfolgeschmiede. Wie das geht? Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Vom Krankenhausbett zum entspannten Unternehmer
Ich war nicht immer so klar aufgestellt. Meine Reise begann 2014 – und zwar im Krankenhausbett. Nach einer Bandscheibenoperation lag ich mit starken Schmerzen flach, hatte rund 20 Kilo Übergewicht und war bei Belastung kurzatmig. Meine Frau war mit unserem dritten Kind schwanger und erledigte die gesamte Care-Arbeit allein. Ich verpasste sogar die Feier zum 25-jährigen Firmenjubiläum. Ich war weder der Unternehmer noch der Vater, der ich sein wollte.
In dieser Tiefphase begann ich, mich intensiv mit Führung, Zeitmanagement und einem aktiven Alltag auseinanderzusetzen – teilweise mit professioneller Begleitung. Das Ergebnis: Ich wurde zu Hause entspannter, fitter und belastbarer. Wir haben die Nachfolge im Betrieb meines Vaters erfolgreich gestemmt, und das Unternehmen ist danach deutlich und aus eigener Kraft gewachsen.
Warum gelingt mir das, woran viele scheitern?
Wenn ich mit Nachfolgern oder gestandenen Unternehmern spreche, werde ich oft gefragt, wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Nach längerem Nachdenken sind mir vier Faktoren eingefallen, die den Unterschied machen.
Faktor 1: Wissen, was wirklich wichtig ist
Meine „Big Five for Life“ – inspiriert vom gleichnamigen Buch von John Strelecky – sind klar definiert. Alles, was nicht auf diese fünf großen Lebensziele einzahlt, habe ich Stück für Stück reduziert oder ganz weggelassen:
- Keine oberflächlichen Bekanntschaften mehr pflegen
- Keine Nachrichten im Fernsehen schauen
- Keine Statussymbole, die Pflege brauchen
Das Ergebnis? Automatisch mehr Zeit für echte Freundschaften, bessere Laune und mehr Raum für mich. Eines meiner Big Five ist übrigens, mein Wissen zu teilen, um andere zu erfolgreichen Unternehmern und Nachfolgern zu machen. Deshalb fühlt es sich auch nicht nach Arbeit an, wenn ich an einem Samstagnachmittag eine Podcastfolge aufnehme.
Aus der Wirtschaftspsychologie wissen wir: Wer seine Werte und Ziele klar kennt, trifft Entscheidungen schneller und fühlt sich dabei weniger gestresst. Diese innere Klarheit ist das Fundament für alles Weitere.
Faktor 2: Selbstmanagement – wer sich nicht selbst führen kann, sollte keine Mitarbeiter führen
Für mich bedeutet Selbstmanagement: Ich plane mein Jahr, meine Monate und meine Wochen. Dabei helfen mir ein Journal und feste Zeitblöcke im Kalender – für die Arbeit im Unternehmen, für Sport, für die Zeit mit meinen Kindern. Diese Blöcke können sich natürlich mal verschieben, aber die Planung im Kalender ist entscheidend. Diese Struktur zu verteidigen, ist eine Disziplin, die man lernen kann und muss.
Zum Selbstmanagement gehören auch Routinen:
- Sonntagsmorgens geht es zum Lauftreff
- Morgens vor den Kindern nehme ich mir eine halbe Stunde zum Lesen oder für ein kurzes Workout
Egal, welche Überraschung der Tag dann bringt – ich habe bereits etwas Wichtiges für mich und mein Energielevel getan.
Faktor 3: Teamleistung – gemeinsam statt einsam
Bei der Sanierungstechnik Dommel sind wir zwei Geschäftsführer und mehrere Führungskräfte. Wir haben Stück für Stück daran gearbeitet, Strukturen zu schaffen und Mitarbeiter zu befähigen, mit wenig Rückfragen ihren Job gut zu machen. Das braucht Klarheit, Konsequenz und manchmal auch Geduld. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel daran, alle Unternehmensprozesse zu aktualisieren und digital abzubilden.
Und auch zu Hause sind meine Frau und ich ein Team. Fairerweise muss ich sagen, dass der größte Teil der Care-Arbeit bei ihr liegt. Aber ich räume ihr den Freiraum ein, wenn sie etwas für sich machen möchte – und das ist für mich ebenfalls Teamwork.
Faktor 4: Effektiv statt endlos – Zeitmanagement in der Nachfolgeschmiede
Ich möchte nicht Zeit gegen Geld tauschen oder unbegrenzt Beratertage verkaufen. Ich möchte effektiv sein. Deshalb habe ich meine Angebote in der Nachfolgeschmiede als klar strukturierte Leistungspakete aufgebaut: klare Inhalte, definierter Mehrwert, wertbasierter Preis. Mein zeitlicher Einsatz ist planbar, und für meine Kunden holen wir das Maximum aus der Zusammenarbeit heraus.
Warum sich vielseitige Rollen nicht widersprechen
Meine verschiedenen Rollen bereichern sich gegenseitig:
- Als Unternehmer weiß ich, was gerade in Konjunktur, Digitalisierung und am Arbeitsmarkt los ist – und bringe diese Erfahrung direkt in die Arbeit mit meinen Klienten ein.
- Als Familienvater weiß ich, dass das Leben nicht nur aus Karriere besteht und dass Harmonie in Ehe und Familie nicht automatisch passiert. Diese Einsicht ist besonders wertvoll in der Arbeit mit Familienunternehmen.
- Beim Sport sortiere ich meine Gedanken und entwickle neue Ideen. Dadurch bin ich fokussierter, klarer und habe mehr Energie im Alltag.
Warum Unabhängigkeit vom Chef kein Luxus ist
Die Unabhängigkeit vom Inhaber ist gerade bei Unternehmensnachfolgen ein echtes Muss. Wenn jegliches Wissen nur im Kopf des Chefs steckt und alle wichtigen Kontakte ausschließlich auf seine Person zugeschnitten sind, wird die Zeit nach der Übergabe holprig.
Mein klarer Rat: Fang rechtzeitig an, dich selbst überflüssig zu machen. Es profitieren alle davon – der Nachfolger, das Unternehmen und du als Unternehmer selbst.
Deine Übung: Das Rollen-Canvas in 15 Minuten
Zum Abschluss möchte ich dir eine Übung vorstellen, die ich häufig mit Unternehmensnachfolgern zu Beginn unserer Mentoring-Zusammenarbeit mache. Nimm dir 15 Minuten, ein leeres Blatt Papier und ein paar Stifte in verschiedenen Farben. Dann stelle dir diese vier Fragen:
- Welche Rollen hast du gerade in deinem Leben? Unternehmer, Führungskraft, Ehepartner, Elternteil, Freund, Sportler, Vereinsmitglied – schreib alles auf, ohne Filter und ohne Bewertung.
- Welche dieser Rollen geben dir Energie? Die, bei denen du das Gefühl für die Zeit verlierst und abends zufrieden ins Bett gehst. Markiere sie grün.
- Welche Rollen rauben dir Energie? Wo gehst du rein und kommst erschöpft raus – nicht weil die Aufgabe schwer ist, sondern weil sie sich nicht richtig anfühlt? Markiere sie rot.
- Welche Rollen solltest du abschneiden, damit andere Bereiche wachsen können? Denk an einen Obstbaum: Manchmal musst du Äste zurückschneiden – nicht weil sie schlecht sind, sondern damit die Energie dahin fließt, wo sie wirklich gebraucht wird.
Diese Übung klingt simpel, aber wenn du sie ehrlich machst, wirst du eine Klarheit gewinnen, die kein Zeitmanagement-Tool der Welt dir geben kann. Denn bevor du deine Zeit optimierst, musst du erst wissen, wofür du sie nutzen willst.
Lass uns ins Gespräch kommen
Wenn du dein Rollen-Canvas ausgefüllt hast, schreib mir gerne an benedikt@nachfolgeschmiede.de – ich freue mich auf deine Nachricht. Und wenn du über deine Situation als Unternehmer oder Nachfolger sprechen möchtest, buche hier ein kostenloses Erstgespräch. Vielleicht sehen wir uns dann schon bald – persönlich oder virtuell.
Denn eines ist sicher: Wir alle haben die gleichen 24 Stunden am Tag. Die Frage ist nur, wofür du sie nutzen willst.




