Blog Kategorie

Kununu-Bewertungen: Fluch oder Segen für Arbeitgeber?

von | Juli 23, 2026 | Blog | 0 Kommentare

Dein Unternehmen wurde auf Kununu bewertet – und Du weißt nicht, wie Du damit umgehen sollst? Vielleicht hast Du sogar eine negative Bewertung erhalten und fragst Dich, ob das Deinem Ruf schadet. Ich teile heute meine persönlichen Erfahrungen als Unternehmer und Nachfolger mit dieser Plattform – und zeige Dir, warum Kununu kein Grund zur Panik ist, sondern eine echte Chance für Dein Employer Branding.

Warum Du Kununu nicht ignorieren solltest

Der Anstoß für diesen Beitrag war ein Gespräch mit einem befreundeten Geschäftsführer. Er fragte mich: „Benedikt, wie denkst Du eigentlich über Kununu?“ Auch in meiner Mastermind-Gruppe war das Thema schon heiß diskutiert worden. Viele Unternehmer im Mittelstand sind unsicher, wie sie mit Arbeitgeberbewertungen umgehen sollen. Deshalb möchte ich Dir heute meine Erfahrungen und Empfehlungen mitgeben.

Zunächst die Fakten: Kununu ist die größte Bewertungsplattform für Arbeitgeber in Europa und gehört zur New Work Gruppe, dem Mutterkonzern von XING. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie Bewerber können Dein Unternehmen dort anonym bewerten – mit Sternen in Kategorien wie Arbeitsatmosphäre, Kommunikation oder Work-Life-Balance und zusätzlich mit Freitextkommentaren.

Die Reichweite ist beachtlich: Über 15 Millionen Einblicke in Arbeitgeber, rund 15.000 neue Bewertungen pro Woche und fast 5 Millionen monatliche Nutzer. Und hier kommt der entscheidende Punkt: Gib mal Deinen Firmennamen bei Google ein. Ich wette, Deine Kununu-Bewertung erscheint auf Seite 1. Das zeigt: Was dort über Dich geschrieben wird, wird wahrgenommen. Ignorieren ist keine Option.

Meine Erfahrungen als Unternehmer und Nachfolger

Unser Unternehmen war fünf Jahre in Folge unter den Top 5 % der bewerteten Arbeitgeber bei Kununu. Unsere Beschäftigten sind bei Unternehmenskultur und Gehalt überdurchschnittlich zufrieden. Diesen „Top Company Award“ haben wir aktiv genutzt: auf unserer Webseite, in Stellenanzeigen, in Social-Media-Posts und Newsmeldungen. Wenn Du solche Auszeichnungen bekommst, trag sie in die Welt hinaus – das ist gelebtes Employer Branding.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Auch wir haben negative Bewertungen erhalten, und ich gebe ehrlich zu: Anfangs habe ich die ziemlich persönlich genommen. Rückblickend zeigt sich ein klares Muster: Die meisten negativen Bewertungen kamen in Phasen großer Veränderung – als wir bei der Digitalisierung richtig Gas gegeben haben oder als im Zuge der Unternehmensnachfolge ein neuer Geschäftsführer ins Haus kam, der naturgemäß anders agierte als sein Vorgänger.

Das ist ein wichtiger Punkt, den ich aus meiner Erfahrung als Nachfolger kenne: Veränderungsprozesse erzeugen Unsicherheit. Aus der Wirtschaftspsychologie wissen wir, dass Menschen auf Veränderungen zunächst mit Widerstand reagieren – das ist völlig normal. In diesen Phasen ist es uns nicht immer gelungen, alle Mitarbeiter gut mitzunehmen. Und genau das hat sich in den Bewertungen widergespiegelt.

Ein anderer Teil der negativen Bewertungen ging – da bin ich mir ziemlich sicher – auf ehemalige Mitarbeiter zurück, von denen wir uns aufgrund von Leistungs- oder Verhaltensproblemen getrennt hatten. Das empfinde ich persönlich als Nachtreten. Aber wie heißt es so schön: Das sagt mehr über die Bewertenden aus als über uns.

So gehst Du souverän mit negativen Bewertungen um

Aus meinen Erfahrungen habe ich einen klaren Fahrplan entwickelt, den ich Dir ans Herz legen möchte:

  • Niemals im Affekt antworten. Atme tief durch, lass eine Nacht oder sogar ein Wochenende vergehen. Eine emotionale Reaktion wirkt unprofessionell und kann in einen Schlagabtausch münden, von dem niemand profitiert.
  • Wertschätzung zeigen. Signalisiere: „Ich habe Deine Bewertung gelesen und nehme sie ernst.“ Jemand hat sich die Mühe gemacht, Feedback zu formulieren – das verdient eine individuelle Antwort, keine automatisierte Standardfloskel.
  • Sachlich auf die Kritik eingehen. Beziehe konkret Stellung zu den genannten Punkten. Erkläre Hintergründe zu Entscheidungen, bringe Gegenbeispiele und zeige, dass Du ein reflektierter Arbeitgeber bist. Dabei ist wichtig: Schiebe keine Verantwortung weg und bleibe im Ton sachlich.
  • Lösungen anbieten. Vielleicht ist an der Kritik tatsächlich etwas dran. Zeige Dialogbereitschaft und echtes Interesse. Ich habe es selbst erlebt, dass nach einer konstruktiven Antwort der Bewertende persönlich auf mich zugekommen ist und wir die Themen konkret besprechen konnten.
  • Feedback intern nutzen. Nimm eine negative Bewertung zum Anlass, Dir aktiv Rückmeldungen aus Deinem Team zu holen. Vielleicht ist die Kritik nicht nur eine Einzelmeinung, sondern die Spitze des Eisbergs. So kannst Du aus einer negativen Rückmeldung sogar etwas gewinnen, das Deine Unternehmenskultur langfristig stärkt.

Ein persönliches Erlebnis dazu: Ich habe einmal auf eine besonders kritische Bewertung eine sehr ausführliche und sachliche Antwort geschrieben. Das Ergebnis? Meine Mitarbeiter haben das gelesen und mir dafür großen Zuspruch gegeben. Sie fanden es stark, dass ich so souverän reagiert habe. Das hat mir gezeigt: Die Menschen, die mir im Unternehmen wichtig sind, sehen die Dinge anders als der anonyme Kritiker. Und das hat richtig gutgetan.

Proaktiv handeln statt abwarten

Meine grundsätzliche Empfehlung: Tritt die Flucht nach vorne an. Konkret bedeutet das:

  • Lege Dir ein Profil an, falls Du noch keines hast. Hinterlege Dich als Administrator, damit Du automatisch benachrichtigt wirst, wenn eine neue Bewertung eingeht.
  • Bitte zufriedene Mitarbeiter aktiv um eine ehrliche Bewertung. Du hast bestimmt Leute im Team, die wirklich gerne bei Dir arbeiten. Wenn Du bereits viele positive Bewertungen hast, fällt eine einzelne Negativbewertung deutlich weniger ins Gewicht.
  • Nutze Kununu zur Marktbeobachtung. Schau Dir die Bewertungen Deiner Wettbewerber, Kunden und Lieferanten an. Das ist Gold wert! Wenn Du zum Beispiel weißt, dass bei einem Wettbewerber „diktatorische Führung“ und „Papierverschwendung“ kritisiert werden, kannst Du im Bewerbungsgespräch gezielt mit flachen Hierarchien und digitalen Prozessen punkten. Oder Du greifst genau diese Themen in Deinen Stellenanzeigen und Social-Media-Beiträgen auf.

Lohnt sich das kostenpflichtige Employer-Branding-Profil?

Neben dem kostenlosen Standardprofil bietet Kununu ein kostenpflichtiges Employer-Branding-Profil an, mit dem Du Dein Unternehmen ausführlicher präsentieren kannst – mit eigenen Inhalten, Fotos und Benefits. Für mich hat sich diese Investition gelohnt. Im Vergleich zu einer Printanzeige, die vielleicht nur an einem Samstag in der Lokalpresse wahrgenommen wird, ist das eine bezahlbare und nachhaltige Maßnahme.

In Bewerbungsgesprächen erlebe ich regelmäßig, dass Kandidaten sich vorher unsere Kununu-Bewertungen genau durchgelesen haben. Wir können dann auf Augenhöhe über die Themen sprechen. Das zeigt mir: Bewerber informieren sich online über potenzielle Arbeitgeber – und je besser Du dort aufgestellt bist, desto besser für Deinen Bewerbungseingang.

Fazit: Kununu als Chance begreifen

Arbeitgeberbewertungen im Internet werden nicht verschwinden. Ob Kununu, Google oder Social Media – Deine Mitarbeiter und Bewerber haben heute die Möglichkeit, sich ein Bild von Dir als Arbeitgeber zu machen, bevor sie auch nur einen Fuß in Dein Unternehmen setzen. Das kannst Du als Bedrohung sehen – oder als Chance.

Meine Erfahrung als Unternehmer und Nachfolger zeigt: Wer souverän, wertschätzend und proaktiv mit Bewertungen umgeht, gewinnt. Du zeigst Kritikfähigkeit, Reflexionsvermögen und echtes Interesse an Deinen Mitarbeitern. Und genau das sind die Eigenschaften, die einen guten Arbeitgeber ausmachen.

Du möchtest Dich über dieses oder andere Themen rund um Unternehmertum und Unternehmensnachfolge austauschen? Dann nimm gerne Kontakt zu mir auf und buche einen kostenlosen Kennenlern-Termin über Benedikt Stentrup | Zeeg. Ich freue mich auf den Austausch mit Dir!

Ich bin Benedikt Stentrup, der Nachfolge-Schmied.

Als Unternehmer, Nachfolger und Experte weiß ich genau, was dich bewegt. Ich kenne deinen Alltag aus 15 Jahren Praxis und habe Nachfolge selbst in allen Facetten durchlebt – als Angestellter, Familien-Nachfolger und Übernehmer. Mein Ziel: Dir das Selbstvertrauen für deine erfolgreiche Übergabe zu geben.

Benedikt Stentrup Nachfolger Experte

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

Konflikte im Unternehmen: Erkennen, lösen und vorbeugen

Konflikte im Unternehmen: Erkennen, lösen und vorbeugen

Einer Deiner besten Mitarbeiter bittet um einen Aufhebungsvertrag – nicht wegen des Geldes, nicht wegen der Arbeit, sondern weil das Verhältnis zur Führungskraft so zerrüttet ist, dass er lieber geht. Klingt dramatisch? Ist es auch. Und genau solche Situationen erlebe...

mehr lesen