Was ein Apfelbaum im Frühling mit Deiner Unternehmensnachfolge zu tun hat? Mehr als Du denkst. Denn wer gezielt zurückschneidet, erntet am Ende deutlich mehr. In diesem Beitrag zeige ich Dir, warum bewusster Rückschnitt in vier zentralen Bereichen Deines Unternehmens echtes Wachstum ermöglicht – und wie Du das gerade in der Nachfolge konstruktiv gestalten kannst.
Was der Obstbaum uns über Unternehmensführung lehrt
Vor unserem Haus steht ein Apfelbaum. Seit Mitte April beobachte ich, wie er austreibt – überall Knospen, überall neues Leben. Ein tolles Bild. Aber dieses Bild hat eine Vorgeschichte: Im Winter haben wir ganz bewusst viele Triebe abgeschnitten. Nicht weil sie schlecht waren. Nicht weil sie nichts wert waren. Sondern damit die Kraft des Baumes sich auf die Triebe konzentriert, die wirklich zählen.
Das Ergebnis? Eine deutlich reichhaltigere Ernte im Herbst. Weniger Triebe, mehr Ertrag. Das ist keine Magie – das ist Strategie.
Und genau dieses Prinzip lässt sich auf Unternehmen übertragen. Die entscheidende Frage lautet: Wann hast Du zuletzt bewusst Rückschnitte vorgenommen? In Deinem Unternehmen? In Deiner Organisation? In Deinem Portfolio?
Der Spagat zwischen frischem Wind und bewährtem Wissen
Gerade in der Unternehmensnachfolge begegnet mir ein Muster immer wieder: Nachfolger kommen mit einer riesigen Portion Motivation. Sie wollen etwas bewegen, Dinge verändern, die berühmten „alten Zöpfe“ abschneiden. Das ist gut und wichtig – frischer Wind tut jedem Unternehmen gut.
Gleichzeitig bringen die Senior-Inhaber jahrzehntelange Erfahrung mit. Sie wissen, warum bestimmte Dinge so gemacht werden, wie sie gemacht werden. Manchmal sind das tatsächlich Scheuklappen. Manchmal steckt aber auch echtes, wertvolles Wissen dahinter.
Diesen Spagat erlebe ich regelmäßig in Betrieben – und er kann zu echten Konflikten führen. Aus der Wirtschaftspsychologie wissen wir: Veränderung löst bei Menschen zunächst Widerstand aus, besonders wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Lebenswerk infrage gestellt wird. Die gute Nachricht: Es gibt einen Weg, das konstruktiv zu gestalten. Und der heißt: Schneiden und Wachsen – gemeinsam.
Die vier Bereiche des bewussten Rückschnitts
1. Mitarbeiter – das sensibelste Thema
Lass mich hier klar sein: Eine Kündigung ist für mich wirklich der letzte Ausweg. Wenn jemand sich zu einem dauerhaften Low-Performer entwickelt oder permanent gegen die Werte des Unternehmens verstößt, dann kommen zuerst Gespräche. Mehrere. Und man schaut ehrlich hin: Liegt es an uns? An der Führung? An den Rahmenbedingungen?
Aber manchmal stellt man nach all diesen Gesprächen fest: Es passt einfach nicht mehr zusammen. Und was ich dann erlebt habe, hat mich selbst überrascht: Manche Trennungen haben Energie im Team freigesetzt. Die Stimmung wurde plötzlich besser. Andere Mitarbeiter haben wieder aufgeatmet.
Das ist kein schönes Bild. Aber es ist die Realität, die ich in der Praxis erlebt habe. Teams funktionieren wie ein Organismus – und manchmal braucht es eine schmerzhafte Entscheidung, damit das Ganze wieder gesund wachsen kann.
2. Kunden – nicht jeden musst Du behalten
Ja, ich sage es direkt: Nicht jeden Kunden muss man behalten.
Es gibt Kunden, da kannst Du machen, was Du willst – es gibt Streit. Vereinbarungen werden nicht eingehalten. Egal welcher Mitarbeiter das Projekt betreut, die Unzufriedenheit bleibt. Und gleichzeitig wirst Du angemeckert, warum dieses oder jenes nicht fertig ist.
Wenn Du Dir sicher bist, dass es nicht an Deinem Team, Eurer Organisation oder Eurem Produkt liegt – dann schneide diese Kunden ab.
Wir haben das selbst gemacht. Kunden, die ihre Vorarbeiten nicht geliefert haben, Zahlungsziele ignoriert haben – und uns gleichzeitig Druck gemacht haben. Die haben wir aussortiert. Manchmal temporär, manchmal dauerhaft. Das Ergebnis:
- Unsere Projektleiter waren motivierter.
- Die Energie im Team war spürbar besser.
- Wir hatten Kapazitäten frei für Kunden, bei denen die Zusammenarbeit wirklich Spaß macht.
Der Markt ist groß genug. Das wird bei Dir wahrscheinlich ähnlich sein.
3. Produkte und Dienstleistungen – mein persönlichstes Beispiel
Dieser Bereich bewegt mich am meisten, weil er so nah an meiner eigenen Geschichte ist.
Als ich in den Betrieb meines Vaters eingestiegen bin, habe ich durch meinen Werdegang ein neues Geschäftsfeld mitgebracht. Das war gut, das hat uns weiterentwickelt. Aber gleichzeitig haben wir auch etwas bewusst weggelassen.
Wir hatten damals einen Bereich, in dem wir für andere Baufirmen Kanaluntersuchungen und Rohrprüfungen durchgeführt haben. Wir hatten die Technik, wir hatten die Mitarbeiter. Aber es war kleinteiliges Geschäft: viele Angebote für wenig Umsatz, viele kleine Baustellen in der Disposition, Mitarbeiter, die sich manchmal mehrmals täglich in neue Projekte hineindenken mussten.
Wir haben dann gemeinsam als Geschäftsleitungsteam bei einer Strategietagung entschieden: Diesen Bereich lassen wir auslaufen.
Für meinen Vater war das nicht einfach. Das war sein Aufbau, ein Teil seines Lebenswerks. Aber zeitversetzt – und das ist das Schöne – hat auch er sich gefreut. Als unsere Teams in deutlich größeren, attraktiveren Projekten untergebracht waren. Als es im Büro weniger hektisch zuging. Als die neue Struktur Früchte getragen hat. Rückschnitt und dann Wachstum – genau wie beim Obstbaum.
4. Lieferanten und Partner – auch wenn es menschlich schwer ist
Wir haben uns vor eineinhalb Jahren von einem strategisch wichtigen Partner getrennt. Den Menschen dahinter schätze ich nach wie vor. Aber die Technik hat uns immer wieder Probleme bereitet – Risiken, Kosten, Unsicherheiten.
Die Trennung zu kommunizieren war nicht leicht. Eine Alternative aufzubauen auch nicht. Aber heute? Haben wir eigenes Know-how aufgebaut. Haben wir die Technik selbst weiterentwickelt. Sind wir in dem Bereich deutlich besser aufgestellt. Das wäre uns ohne den Rückschnitt nicht gelungen.
Drei Erkenntnisse, die Du jetzt mitnehmen kannst
Erstens: Innehalten lohnt sich. Nimm Dir die Zeit und frage Dich: Wo könnte ein gesunder Rückschnitt sinnvoll sein? Bei Mitarbeitern, Kunden, Produkten, Partnern? Das muss man nicht täglich hinterfragen – aber regelmäßig sollte man es tun.
Zweitens: Die Nachfolge ist das perfekte Timing. Der Generationswechsel bietet die seltene Chance, gemeinsam von oben auf das Unternehmen zu schauen. Schaut Euch gemeinsam die Organisation an, die Mitarbeiter, die Geschäftsfelder, die Kennzahlen. Habt Ihr eine identische Wahrnehmung? Wo könnt Ihr Euch auf Veränderungen einigen? Und ein wichtiger Gedanke dazu: Veränderung ist nicht automatisch Kritik am Lebenswerk des Vorgängers. Aber Veränderung ist auch kein Selbstzweck.
Drittens: Bleibt verständnisvoll. Nicht immer muss man mit dem Kopf durch die Wand. Manchmal braucht man mehr Informationen. Manchmal muss das Emotionale erst aufholen, was der Verstand schon entschieden hat. Das ist menschlich – und das ist völlig in Ordnung. In meinem Nachfolgeschmiede-Sprint habe ich deshalb extra eine Phase „Verstehen“ eingebaut: Wir machen gemeinsam eine Art Due Diligence für den Betrieb, leiten daraus Maßnahmen ab und halten sie auf einer Roadmap mit Termin und Zuständigkeiten fest. Das hat sich wirklich bewährt.
Dein nächster Schritt
Wenn Du gerade mitten im Nachfolgeprozess steckst – oder kurz davor – und den richtigen Weg für Dein Veränderungstempo suchst, dann lass uns sprechen. In meinem Inner Circle begleite ich Nachfolger mit einem strukturierten, intensiven Programm: 10 Wochen Intensiv-Mentoring, regelmäßige Video-Calls, Experten-Workshops zu Themen wie Steuer, Führung, Vertrieb und Digitalisierung – und ein direkter Draht zu mir, wenn es mal außer der Reihe brennt.
Die Gruppe stelle ich handverlesen zusammen, damit echtes Vertrauen entstehen kann. Bewirb Dich jetzt auf nachfolgeschmiede.de/innercircle – ich freue mich auf Dich.
Denn eines ist sicher: Wer den Mut hat, gezielt zurückzuschneiden, schafft Raum für das, was wirklich wachsen soll.




