Zum 50. Jubiläum des Nachfolgeschmiede-Podcasts habe ich etwas gewagt, das es in einem Business-Podcast wohl selten gibt: Ich habe meine vier Kinder Mika (14), Jonas (13), Levi (11) und Fine (10) interviewt. Wir haben uns an unseren Esstisch gesetzt, ein Mikrofon in die Mitte gelegt – und dann kamen Antworten, die mich wirklich überrascht, berührt und zum Nachdenken gebracht haben. Was Kinder beobachten, wenn sie einen Unternehmer-Papa haben, ist manchmal klüger als das, was in jedem Managementbuch steht.
Die schärfsten Kritiker sitzen am eigenen Esstisch
Als Unternehmer und Nachfolger bekomme ich regelmäßig Feedback – von Mitarbeitern, Kunden, Geschäftspartnern. Aber wann hast du zuletzt die Menschen gefragt, die dich wirklich kennen? Die dich morgens beim Frühstück sehen, deine Telefonate im Auto mithören und abends bemerken, wenn du gestresst nach Hause kommst?
Genau das habe ich für die 50. Folge meines Podcasts getan. Und ich sage dir: Ich war auf vieles vorbereitet – aber nicht auf alles, was dann kam.
Was Kinder über Unternehmertum wissen – ohne es gelernt zu haben
Schon die erste Frage war aufschlussreich: „Wie erklärt ihr euren Freunden, was euer Papa beruflich macht?“ Mika beschrieb präzise, dass wir Rohre sanieren und Abwasser ableiten. Jonas ergänzte, dass ich mich bei der Sanierungstechnik Dommel um Rohrleitungen in Gebäuden kümmern. Klingt simpel – aber es zeigt, dass Kinder sehr genau zuhören und beobachten, auch wenn wir das gar nicht merken.
Dann kam die Frage, was das Schwierigste an meinem Job sei. Und hier wurde es richtig interessant. Mika sagte:
„Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler macht, kann man dem nicht einfach ins Gesicht sagen: Du hast das falsch gemacht. Man muss überlegen, wie man das formuliert, damit der Mitarbeiter nicht sauer ist.“
Das ist im Kern genau das, was die Wirtschaftspsychologie als „konstruktives Feedback“ bezeichnet – und mein 14-jähriger Sohn hat es intuitiv auf den Punkt gebracht. Wer Menschen führt, muss nicht nur wissen, was falsch gelaufen ist, sondern vor allem, wie er es so kommuniziert, dass der andere daraus lernen kann. Anschreien erzeugt Abwehr. Wertschätzende Klarheit erzeugt Entwicklung.
Nachfolge aus Kindermund: Überraschend treffsicher
Besonders beeindruckt hat mich, was meine Kinder über das Thema Unternehmensnachfolge gesagt haben – obwohl sie das Wort selbst kaum kennen. Jonas brachte es so auf den Punkt:
„Man muss dafür sorgen, dass die Traditionen beibehalten werden, damit nicht zu große Änderungen sofort vorgenommen werden. Das kann dafür sorgen, dass die Stimmung schlechter wird.“
Das ist eine der zentralen Erkenntnisse, die ich auch in meiner Beratungsarbeit immer wieder betone: Wer ein Unternehmen übernimmt, sollte nicht sofort alles auf den Kopf stellen. Mitarbeiter brauchen Stabilität und Vertrauen. Zu viele Veränderungen auf einmal – auch wenn sie gut gemeint sind – können die Stimmung kippen lassen und gute Leute vergraulen. Mein 13-jähriger Sohn hat das aus dem verstanden, was er zu Hause mitbekommen hat. Ohne Unternehmensberatung, ohne Fachbuch.
Levi ergänzte etwas, das mich ebenfalls beeindruckt hat: Als Nachfolger sollte man am besten erst als Mitarbeiter anfangen, um zu verstehen, wie der Betrieb wirklich läuft. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit – aber eine der wichtigsten Empfehlungen, die ich angehenden Nachfolgern gebe. Wer nie selbst auf der Baustelle war, im Büro mitgearbeitet oder die Abläufe von innen erlebt hat, tut sich als Führungskraft deutlich schwerer.
Mitarbeiterbeteiligung, Wohlfühlatmosphäre und TikTok-Trends
Die Frage, was sie als Chef sofort einführen würden, brachte drei bemerkenswerte Antworten:
- Levi würde dafür sorgen, dass sich alle Mitarbeiter wohlfühlen – ein sauberes Büro, eine gute Atmosphäre, vielleicht eine Kaffeemaschine. Ihre Begründung: „Wenn die Mitarbeiter froh sind, steigert das auch die Produktivität.“ Richtig erkannt. Zufriedene Mitarbeiter sind leistungsfähiger, loyaler und seltener krank – das belegen zahlreiche Studien aus der Arbeitspsychologie.
- Jonas würde Mitarbeitern Unternehmensanteile geben, damit sie sich stärker einbringen. Was er beschrieben hat, nennt sich Mitarbeiterbeteiligung – ein Modell, das wir bei Dommel tatsächlich umsetzen. Wer am Erfolg des Unternehmens beteiligt ist, denkt und handelt anders als jemand, der nur seinen Stundenlohn im Blick hat.
- Fine wies darauf hin, dass jüngere Mitarbeiter manchmal Dinge besser können als ältere – zum Beispiel, wie man auf TikTok kommuniziert oder junge Menschen anspricht. Auch das ist ein echter Punkt: Wissenstransfer funktioniert nicht nur von oben nach unten. Manchmal weiß der Azubi mehr als der Chef.
Der Spiegel, den ich nicht erwartet hatte
Es gab einen Moment in diesem Gespräch, der mich wirklich nachdenklich gemacht hat. Meine Kinder beschrieben, woran sie merken, dass ich Stress habe: ein lauterer Ton, Seufzen, Kopfgesten beim Telefonieren, Gespräche mit ihrer Mutter über Probleme bei der Arbeit.
Und dann sagte Levi etwas, das mich getroffen hat:
„Man redet halt nur, wenn etwas sehr gut oder sehr schlecht war.“
Das stimmt. Und es hat mich dazu gebracht, mich zu fragen: Bringe ich zu viel Stress nach Hause? Rede ich zu oft über das, was nicht läuft – und zu selten über das, was mich antreibt, was mich begeistert, was gut funktioniert?
Als Unternehmer tragen wir Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und unsere Unternehmen. Aber wir tragen auch Verantwortung für das, was wir nach Hause bringen. Für das Bild, das unsere Kinder von uns als Unternehmer haben. Und vielleicht auch dafür, ob sie sich eines Tages selbst vorstellen können, diesen Weg zu gehen.
Gleichzeitig haben meine Kinder auch das Positive gesehen: die Weihnachtsfeste mit den Mitarbeitern, die gemeinsamen Ausflüge, das Lachen beim Telefonieren. Levi sagte: „Ich glaube, die Arbeit macht dir trotzdem sehr viel Spaß – weil es nicht nur ums Geld geht.“ Das hat mich gefreut. Und es hat mich daran erinnert, warum ich das alles mache.
Was ich aus diesem Gespräch mitnehme – und was du daraus mitnehmen kannst
Dieses Gespräch hat mir einige Dinge bestätigt, die ich auch in meiner Arbeit als Nachfolgeberater immer wieder erlebe:
- Gute Führung bedeutet, nicht immer recht zu haben. Wer zuhört – auch den Jüngsten im Raum – trifft bessere Entscheidungen.
- Nachfolge braucht Fingerspitzengefühl. Traditionen erhalten, Vertrauen aufbauen, Veränderungen behutsam einführen – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klugheit.
- Als Mitarbeiter anfangen lohnt sich. Wer ein Unternehmen von innen kennt, führt es besser.
- Mitarbeiterzufriedenheit ist kein Nice-to-have. Sie ist ein echter Wettbewerbsvorteil.
- Unternehmer sein bedeutet auch, bewusst nach Hause zu kommen. Was wir ausstrahlen, prägt das Bild, das andere – auch unsere Kinder – vom Unternehmertum haben.
Dein nächster Schritt
Vielleicht stehst du gerade selbst vor einer Unternehmensnachfolge – als Übergeber oder als Nachfolger. Vielleicht fragst du dich, ob du das Zeug dazu hast, ein Unternehmen zu führen. Oder du bist bereits mittendrin und merkst, dass es Themen gibt, bei denen du dir einen erfahrenen Sparringspartner wünschst.
Genau dafür bin ich da. Ich bin selbst den Weg des Nachfolgers gegangen, führe seit über 15 Jahren ein Unternehmen mit fast 100 Mitarbeitern und begleite Menschen wie dich dabei, ihre Nachfolge strukturiert, sicher und erfolgreich zu gestalten.
Wenn du wissen möchtest, ob eine Unternehmensnachfolge zu dir passt – oder wie du deine Übernahme besser aufstellen kannst – dann melde dich gerne bei mir. Ein erstes Gespräch kostet nichts außer etwas Zeit. Und manchmal reicht schon das, um Klarheit zu bekommen.
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Danke an Mika, Jonas, Levi und Fine – ihr seid die besten Kritiker, die ich mir wünschen kann. Und danke an dich fürs Lesen. Bis zum nächsten Beitrag.




