Während die StartUp-Szene mit ihren Erfolgsgeschichten und Unicorns die Schlagzeilen dominiert, bleibt eine attraktive Alternative oft im Schatten: die Unternehmensnachfolge. Als selbst erfolgreicher Nachfolger teile ich meine Erfahrungen aus beiden Welten und zeige Dir, warum der Einstieg in ein bestehendes Unternehmen der klügere Karriereweg sein könnte – mit weniger Risiko und höheren Erfolgsaussichten.
Die Gründerwoche Deutschland 2025: Ein Anlass zum Umdenken
Wir befinden uns mitten in der Gründerwoche Deutschland 2025, und während allerorts über innovative StartUps, disruptive Geschäftsmodelle und die nächsten Einhörner gesprochen wird, möchte ich den Blick auf eine Alternative lenken, die mindestens genauso spannend ist: die Unternehmensnachfolge. Das diesjährige Motto der Gründerwoche lautet „Gründen. Jetzt.“ Doch Gründen kann auch bedeuten, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen und neu zu gestalten. Vom 17. bis 23. November 2025 werden deutschlandweit zahlreiche kostenfreie Veranstaltungen angeboten, die Menschen für das Thema Unternehmensgründung und Selbstständigkeit begeistern sollen – und ja, auch für die Nachfolge. Stell Dir vor, Du könntest all die typischen StartUp-Probleme umgehen: die endlose Suche nach dem Product-Market-Fit, die schlaflosen Nächte wegen der Finanzierungsrunden, die Unsicherheit, ob Deine Idee überhaupt funktioniert. Was wäre, wenn Du stattdessen ein bereits funktionierendes Unternehmen übernehmen könntest, mit bestehenden Kunden, bewährten Produkten und einem Team, das weiß, was es tut?
Meine persönliche StartUp-Erfahrung: Ein steiniger Weg
Ich spreche hier nicht als theoretischer Experte, sondern aus eigener Erfahrung. 2009 habe ich mit vier Mitgründern ein StartUp aus der Taufe gehoben. Wir hatten tatsächlich eine gute Ausgangslage – Zugang zu Netzwerk und Kapital. Trotzdem war es ein steiniger Weg. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich mit Mitte 20 zum ersten Mal in meinem Leben einen Kredit aufnahm. Das war ein seltsames Gefühl – plötzlich Schulden zu haben und jeden Monat zu tilgen. Wir haben buchstäblich selbst Hand angelegt, Teppichböden verlegt und die Wände gestrichen, um Kosten zu sparen (siehe Foto oben). Besonders herausfordernd waren die behördlichen Hürden. Unsere Bau- und Betriebsgenehmigungen waren eine absolute Punktlandung für unseren Businessplan. Die Abhängigkeit von Genehmigungsbehörden war enorm. Ich erinnere mich an schlaflose Nächte, weil wir nicht wussten, ob wir die BImSch-Genehmigung rechtzeitig bekommen würden. Dann die Produktzulassungen – über ein Jahr haben wir darauf gewartet! Stell Dir vor: Du hast eine tolle Idee, ein Team, Kapital – aber kannst einfach nicht starten, weil ein Stempel fehlt. Und dann der erste Kunde: Wir hatten bereits einen Auftrag in der Tasche, als der Kunde plötzlich zurückzog, weil er die Bestellung intern nicht durchbekam. Das war ein echter Tiefschlag. Dazu kam der Wettbewerb, der uns mit Patentklagen eindeckte, um uns auszubremsen. Und mit dem Wachstum kamen die Liquiditätssorgen – ein ständiger Balanceakt. In den darauffolgenden Jahren wurde unser Team immer größer und das einst kleine StartUp wuchs bis zu meinem Ausscheiden auf über 100 Mitarbeiter an. Ende 2013 traf ich dann die Entscheidung, auszusteigen und in das Unternehmen meines Vaters einzusteigen – eine Entscheidung, die mein Leben verändert hat und die ich bis heute nicht bereue.
Die aktuellen Herausforderungen für Gründer in 2025
Wenn ich mir die Situation für Gründer heute anschaue, sehe ich, dass viele der Probleme, mit denen wir damals kämpften, nach wie vor bestehen – teilweise haben sie sich sogar verschärft. Die größten Herausforderungen für StartUp-Gründer im Jahr 2025 sind:
- Bürokratie und Regulierung werden von einem Großteil der Gründer als größte Hürde empfunden. Die zahlreichen Vorgaben und komplexen Prozesse binden wichtige Kapazitäten, die eigentlich in die Produktentwicklung oder Kundengewinnung fließen sollten.
- Finanzierung und Kapitalzugang bleiben ein zentrales Problem: Viele StartUps erhalten keinen Zugang zu Risikokapital oder öffentlichen Fördermitteln. Laut einer aktuellen Studie müssen etwa 40 Prozent der potenziellen Gründer auf persönliche Ersparnisse zurückgreifen. Die Anforderungen der Investoren sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – sie erwarten nachhaltige Geschäftsmodelle und solide Pläne.
- Marktnachfrage und Wettbewerb sind weitere kritische Faktoren. Ein häufiger Grund für das Scheitern ist eine fehlende oder zu geringe Marktnachfrage. StartUps unterschätzen oft die Analyse von Kundenbedürfnissen oder lösen kein klares Problem am Markt.
- Ressourcen und Personal sind begrenzt, was insbesondere die Einführung neuer Technologien einschränkt. Der Fachkräftemangel gefährdet Wachstum und Stabilität vieler junger Unternehmen.
- Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten – Inflation, Rezessionsgefahr und geopolitische Spannungen erschweren die Planung und verschärfen die Finanzierungsbedingungen. Gründer müssen heute flexibler und vorsichtiger wirtschaften als je zuvor.
Alarmierende Zahlen zu Neugründungen in Deutschland
Die Statistiken zu Neugründungen in Deutschland zeichnen ein ernüchterndes Bild. Laut dem aktuellen KfW-Gründungsmonitor wurden im vergangenen Jahr rund 605.000 Existenzgründungen in Deutschland verzeichnet. Das klingt zunächst nach einer beeindruckenden Zahl. Doch die Realität ist, dass etwa 30 Prozent dieser Neugründungen bereits innerhalb der ersten drei Jahre wieder vom Markt verschwinden. Noch dramatischer wird es, wenn wir auf einen Fünf-Jahres-Zeitraum blicken: Nach fünf Jahren existieren nur noch etwa 40 Prozent der ursprünglich gegründeten Unternehmen. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller StartUps innerhalb von fünf Jahren scheitert! Besonders alarmierend ist die Situation im Bereich der technologieorientierten StartUps. Hier liegt die Überlebensrate nach drei Jahren sogar nur bei etwa 55 Prozent, obwohl gerade in diesem Bereich oft erhebliche Investitionen getätigt werden. Die Hauptgründe für das Scheitern sind dabei oft die gleichen:
- Unzureichende Marktanalyse
- Finanzierungsprobleme
- Fehlende unternehmerische Erfahrung
- Mangelnde Anpassungsfähigkeit an veränderte Marktbedingungen
Interessant ist auch, dass etwa 20 Prozent der Gründungen aus der Not heraus entstehen – also weil keine andere berufliche Alternative gesehen wird. Diese Notgründungen haben statistisch gesehen eine noch geringere Überlebenschance als Gründungen, die aus einer erkannten Marktchance heraus entstehen. Diese Zahlen sollten jeden, der mit dem Gedanken spielt, ein Unternehmen zu gründen, zum Nachdenken bringen. Sie unterstreichen, wie risikoreich der Weg der Neugründung ist – und wie attraktiv im Vergleich dazu die Alternative der Unternehmensnachfolge sein kann.
Aktuelle Entwicklungen im deutschen Gründungsgeschehen
Wenn wir uns die aktuellen Entwicklungen im deutschen Gründungsgeschehen anschauen, sehen wir einige interessante Trends: Laut dem Statistischen Bundesamt ist die Anzahl der Gewerbeanmeldungen in den letzten Jahren tendenziell gesunken. Während im Jahr 2004 noch rund 961.000 Gewerbeanmeldungen verzeichnet wurden, sank die Anzahl auf rund 716.000 im Jahr 2024. Erst seit 2020 steigen die Zahlen wieder leicht an. Die meisten Gründungen finden im Dienstleistungssektor statt. Rund 65 Prozent der Gründungen sind den Bereichen „wirtschaftliche Dienstleistungen“ oder „persönliche Dienstleistungen“ zuzuordnen. Das zeigt, dass der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft auch im Gründungsgeschehen deutlich sichtbar ist. Ein weiterer interessanter Aspekt: Das Gründungsinteresse in Deutschland hat laut DIHK einen historischen Tiefstand erreicht. Die Bewertung des Gründungsstandortes Deutschland durch Jungunternehmerinnen und -unternehmer ist so schlecht wie nie zuvor. Das liegt vor allem an der andauernden wirtschaftlichen Unsicherheit, gestiegenen Energie- und Personalkosten, dem Fachkräftemangel und der als überbordend empfundenen Bürokratie. Das erinnert mich an ein Gespräch, das ich mit meinem Vater während unserer zweijährigen gemeinsamen Phase im Unternehmen hatte. Mein Vater signalisierte mir, dass er einfach müde war, für jeden Prozess ein Zertifikat vorlegen zu müssen. Er kam aus einer Zeit, als manche Geschäfte noch mit Handschlag erledigt wurden und der gute Ruf des Unternehmens ausreichte, um Folgeaufträge zu generieren. Bei meinem Einstieg ins Unternehmen hatte sich das schon gewandelt, und wir mussten unseren Kunden eine ganze Menge Bescheinigungen vorlegen und selbst erfahrene Mitarbeiter zu verschiedenen Lehrgängen schicken, damit jemand ein bestimmtes Zertifikat vorweisen konnte.
Die übersehene Alternative: Unternehmensnachfolge
Und genau hier kommt die Unternehmensnachfolge ins Spiel. Viele der genannten Gründer-Sorgen entfallen bei der Übernahme eines vorhandenen Betriebes:
Erstens: Das Unternehmen ist bereits handlungsfähig. Es ist überall eingetragen und hat die nötigen Zulassungen. Du musst nicht bei Null anfangen und Dich durch den Behördendschungel kämpfen.
Zweitens: Den Finanzbedarf kennst Du bereits und kannst ihn zuverlässig aus Bilanzen und GuVs entnehmen. Es gibt in der Regel funktionierende Geschäftsbeziehungen zu Banken, was die Finanzierung deutlich erleichtert. Ich erinnere mich noch gut an eines der ersten Gespräche mit unserer Hausbank nach meinem Einstieg in das Familienunternehmen. Der Ansprechpartner ging im Gespräch verschiedene Rating-Kriterien mit uns durch, und überall waren wir schon gut aufgestellt, weil es eine Geschichte und einen Track Record gab. Als dann noch die geregelte Nachfolge dazukam, hat sich das Rating bei der Bank noch einmal verbessert.
Drittens: Die Marke und die Produkte sind im Markt bereits etabliert. Es gibt Kunden, vielleicht sogar Stammkunden. Man kennt die Wettbewerber und kann sie einschätzen. Das reduziert das Marktrisiko erheblich.
Viertens: Personelle Ressourcen sind grundsätzlich vorhanden. Das Unternehmen hat bereits Mitarbeiter und Zulieferer. Du musst nicht mühsam ein Team aufbauen.
Fünftens: Die Einflüsse von Politik und Konjunktur sind bekannt, da das Unternehmen bereits verschiedene Konjunkturzyklen und Regierungswechsel überstanden hat. Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch die Unternehmensnachfolge bringt Herausforderungen mit sich.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen StartUp und Nachfolge
Grundsätzlich haben Neugründung und Unternehmensnachfolge vieles gemeinsam: Für den Gründer bzw. Nachfolger ist die Unternehmensführung häufig Neuland. Man muss sich erst in der Rolle und mit der Verantwortung zurechtfinden. Beides ist mit Risiko verbunden, wobei ich das Risiko einer Nachfolge für planbarer halte. Und während Gründer vielleicht manchmal schon mit dem gewinnbringenden Exit liebäugeln, hast Du als Nachfolger diese Chance, Dein Unternehmen irgendwann ganz oder teilweise zu veräußern, grundsätzlich auch.
Der „Spirit“ – StartUp vs. Nachfolge
Jetzt sagst Du vielleicht: „Aber Benedikt, der ‚Spirit‘ in einem StartUp ist doch ein ganz anderer. Diese Aufbruchstimmung, dieses gemeinsame Kämpfen für eine Vision – das fehlt doch in einem etablierten Unternehmen.“ Darauf antworte ich: Das mag sein, aber ich kenne dieses Zusammenhalten und motivierte Vollgas-Geben auch aus Wachstumsphasen in bestehenden Unternehmen. Wenn das Klima im Unternehmen stimmt, haben wir manchmal auch das Gefühl, wir könnten Bäume ausreißen. Natürlich wird es mit zunehmender Mitarbeiterzahl schwieriger, alle mitzunehmen. Aber genau hier liegt auch eine spannende Führungsaufgabe: Wie schaffe ich es, auch in einem etablierten Unternehmen eine Kultur der Innovation und Begeisterung zu etablieren? Ich erinnere mich an die Einführung unserer neuen Branchen-ERP-Software mit Dokumentenarchiv. Anfangs gab es viel Skepsis im Team. „Das haben wir schon immer so gemacht“ war ein Satz, den ich oft hörte. Aber als wir gemeinsam die ersten Erfolge sahen, als plötzlich Prozesse schneller liefen und Fehler reduziert wurden, entstand eine Dynamik, die ich aus meiner StartUp-Zeit kannte. Die Mitarbeiter kamen plötzlich selbst mit Ideen, wie wir weitere Bereiche verbessern könnten. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Fazit: Warum Unternehmensnachfolge die klügere Wahl sein kann
Die Unternehmensnachfolge bietet gegenüber einer StartUp-Gründung zahlreiche Vorteile: Ein funktionierendes Geschäftsmodell, bestehende Kundenbeziehungen, eingespielte Teams und eine bekannte Finanzlage reduzieren das unternehmerische Risiko erheblich. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen zu Neugründungen in Deutschland, wie riskant der Weg eines StartUps ist. Wenn mehr als die Hälfte aller Neugründungen innerhalb von fünf Jahren wieder vom Markt verschwindet, sollte das jeden zum Nachdenken bringen, der mit dem Gedanken spielt, ein Unternehmen zu gründen. Meine persönliche Erfahrung zeigt: Die Unternehmensnachfolge bietet die Chance, unternehmerisch tätig zu sein, ohne bei Null anfangen zu müssen. Sie ermöglicht es, auf einem soliden Fundament aufzubauen und gleichzeitig eigene Ideen und Visionen einzubringen. Die Herausforderung besteht darin, die Balance zwischen Bewahren und Erneuern zu finden – Respekt vor dem Bestehenden zu haben und gleichzeitig den Mut aufzubringen, notwendige Veränderungen anzustoßen. Mein Appell an alle, die mit dem Gedanken spielen, unternehmerisch tätig zu werden: Zieht die Option der Unternehmensnachfolge ernsthaft in Betracht! Es könnte der perfekte Weg sein, Eure unternehmerischen Ambitionen zu verwirklichen – mit geringerem Risiko und höheren Erfolgsaussichten als bei einer Neugründung. Und an alle Unternehmer, die vor der Herausforderung der Nachfolge stehen: Beginnt frühzeitig mit der Planung, seid offen für verschiedene Optionen und scheut Euch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine erfolgreiche Übergabe ist das schönste Vermächtnis, das Ihr Eurem Lebenswerk hinterlassen könnt.
Wenn Dich das Thema Unternehmensnachfolge interessiert – sei es als potenzieller Nachfolger oder als Unternehmer, der eine Nachfolge plant – dann lass uns ins Gespräch kommen! In der Nachfolgeschmiede begleite ich Unternehmer und Nachfolger durch diesen komplexen Prozess, mit all seinen organisatorischen, kommunikativen und emotionalen Facetten. Vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch auf www.nachfolgeschmiede.de oder trage Dich in meine Newsletter-Liste ein für regelmäßige Impulse zum Thema Unternehmensnachfolge. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft des Mittelstands!




