Generationenvorurteile überwinden: Junge Nachfolger mit Potenzial erkennen

Sokrates sagte bereits 400 v. Chr.: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“ Klingt vertraut? Diese Vorurteile gegenüber jüngeren Generationen halten sich hartnäckig – und können bei Unternehmensnachfolgen zu fatalen Fehleinschätzungen führen. Drei persönliche Erlebnisse haben mir kürzlich gezeigt, wie viel Potenzial, Verantwortungsbewusstsein und Engagement in jungen Menschen steckt. Diese Erkenntnisse möchte ich mit dir teilen, denn sie könnten entscheidend für deine Nachfolgeplanung sein.

Warum wir unsere Wahrnehmung junger Menschen überdenken sollten

Wenn du regelmäßig Nachrichten konsumierst oder dich mit anderen Unternehmern austauschst, kennst du vermutlich die gängigen Klagen: Die Wirtschaft schwächelt, internationale Krisen häufen sich, der Klimawandel schreitet voran, und die Jugend von heute will angeblich keine Verantwortung mehr übernehmen. „Die hängen ja nur noch am Handy herum und statt richtig zu lernen, nutzen die nur noch ChatGPT“ – solche Aussagen hört man oft von der älteren Generation.

Als Unternehmer und Nachfolgeexperte habe ich jedoch kürzlich drei Situationen erlebt, die ein ganz anderes Bild zeichnen. Diese Erfahrungen haben mich nicht nur positiv überrascht, sondern auch zum Nachdenken über unsere oft vorschnellen Urteile gebracht.

Zivilcourage im Regionalexpress

Die erste Situation ereignete sich während einer Zugfahrt mit meinem Sohn. Im selben Mehrzweckabteil befand sich eine junge Familie mit Migrationshintergrund, zwei kleinen Kindern und einem Kinderwagen. Nachdem wir gemeinsam unsere Fahrräder und den Kinderwagen so positioniert hatten, dass alle Durchgänge frei blieben, kam ein äußerst unfreundlicher Zugbegleiter hinzu.

Er forderte die junge Mutter barsch auf, „gefälligst ihren Kinderwagen wegzustellen“ – obwohl dieser direkt vor einem Piktogramm für Kinderwagen stand. Aufgrund der Sprachbarriere verstand die Frau nicht sofort und fragte nach. Der Zugbegleiter eskalierte die Situation umgehend, drohte mit Polizeieinsatz und bestand auf seinem „Hausrecht“.

Was dann geschah, war bemerkenswert: Als die Polizei tatsächlich gerufen wurde und der Zugbegleiter eine Anzeige wegen angeblicher Beleidigung aufgeben wollte, meldeten sich spontan etwa ein Dutzend junger Mitreisender zu Wort. Sie alle – von jungen Pärchen bis hin zu einer leicht angetrunkenen Fußballmannschaft – bezeugten in sachlichem Ton, dass sie keinerlei Beleidigungen oder Fehlverhalten seitens der Familie beobachtet hatten.

Diese selbstverständliche Zivilcourage junger Menschen hat mich tief beeindruckt. Sie zeigten Haltung, ohne zu zögern.

Verantwortungsbewusstsein in einer Notsituation

In der zweiten Situation ging es um den Labrador meines Bruders. Während dessen Urlaubs passten ein 15-jähriger Junge und seine 13-jährige Schwester aus der Nachbarschaft auf den Hund auf. Als sie mit mehreren Jugendlichen und dem Hund im Garten spielten, verletzte sich der Labrador an einer Glasscheibe und begann stark zu bluten.

Was die Jugendlichen dann taten, war beeindruckend: Sie holten sofort Hilfe, organisierten Verbandszeug, legten einen provisorischen Verband an und eines der Mädchen hatte sogar die private Handynummer des Dorf-Tierarztes gespeichert. Als ich eintraf, musste ich den Tierarzt nur noch anrufen, der den Hund dann mit vier Stichen nähte.

Diese Teenager, alle noch Schüler, blieben in einer Notsituation völlig ruhig und übernahmen Verantwortung. Sie handelten umsichtig und lösungsorientiert – Eigenschaften, die wir uns von Führungskräften wünschen.

Engagement und Organisationstalent im Ehrenamt

Meine dritte Beobachtung betrifft ein Ferienlager, an dem zwei meiner Kinder teilnahmen. 57 Kinder wurden dort von etwa 15 Betreuern beaufsichtigt – fast alle Anfang bis Mitte 20 und mitten in Studium oder Ausbildung. Diese jungen Erwachsenen organisierten das zweiwöchige Ferienlager komplett ehrenamtlich: Sie buchten die Unterkunft, bestellten den Reisebus, planten Einkäufe und Programm, verwalteten Versicherungskarten und Medikamente der Kinder.

Sie investierten nicht nur ihre Zeit und Energie in die Planung, sondern opferten auch zwei Wochen ihrer Freizeit, damit die Kinder anderer Leute eine schöne Zeit haben konnten. Das nenne ich Engagement!

Was diese Erfahrungen für die Unternehmensnachfolge bedeuten

In allen drei Situationen durfte ich junge Menschen mit Interesse, Haltung und Engagement beobachten. Menschen, die – wenn sie den richtigen Job finden – diese Eigenschaften auch in ihrem Berufsleben einbringen würden.

Natürlich bedeutet das nicht, dass diese jungen Leute automatisch Lust auf 70-Stunden-Wochen oder Videocalls im Urlaub haben. Aber müssen wir als Arbeitgeber und Unternehmer das wirklich erwarten? Sind es nicht vielmehr Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Problemlösungskompetenz und soziales Engagement, die langfristig zum Unternehmenserfolg beitragen?

Wenn du als Unternehmer oder Unternehmerin über den „dummen Azubi“, den „faulen Werkstudenten“ oder den „Junior-Projektleiter in Elternzeit“ lästerst, denke an meine Beobachtungen. Denn ein solches Mindset kann dir bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger im Weg stehen. Mit der Brille „Die Jugend von heute taugt ja eh nichts“ wirst du niemanden finden, der deine Firma erfolgreich weiterführen möchte.

Das Rezept für einen erfolgreichen Nachfolger

Passend zu diesem Thema fand ich kürzlich im Magazin des Verbandes „Die Familienunternehmer“ ein symbolisches Backrezept für einen „verantwortungsvollen Familienunternehmer“. Als Zutaten für einen standhaften Nachfolger waren dort unter anderem Mut, Werte, Verantwortungsbewusstsein und soziale Verantwortung aufgeführt – genau die Eigenschaften, die ich bei den jungen Menschen in meinen Erlebnissen beobachten konnte.

Fazit: Den Blick öffnen für das Potenzial der nächsten Generation

Was kannst du aus diesen Erfahrungen mitnehmen?

  • Wenn man genau hinschaut, gibt es viele positive Beispiele junger Menschen mit Verantwortungsbewusstsein und Engagement
  • Pauschale Vorurteile gegenüber jüngeren Generationen sind für eine erfolgreiche Nachfolgeplanung kontraproduktiv
  • Die richtigen Nachfolger bringen oft andere, aber nicht weniger wertvolle Qualitäten mit als die Gründergeneration

Wenn du wissen möchtest, ob dein potenzieller Nachfolger geeignet ist, nimm gerne Kontakt mit mir auf. Gemeinsam können wir analysieren, welches „Rezept“ für den Nachfolger dein Unternehmen braucht und welche „Zutaten“ dein Nachfolger mitbringt.

Klicke dazu auf der Startseite meiner Webseite www.nachfolgeschmiede.de einfach auf den Button „Erstgespräch vereinbaren“. Ich freue mich darauf, mit dir gemeinsam die Weichen für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge zu stellen – frei von Generationenvorurteilen und mit Blick auf die tatsächlichen Potenziale.

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