„Schwierige Nachfolgeregelungen: Deutsche Mittelständler werden ihre Firmen nicht los“ – so titelte der Nachrichtensender n-tv Mitte Februar 2025. „Zehntausende Unternehmen stehen vor dem Aus“ heißt es in dem Artikel weiter.
Da frage ich mich natürlich – stimmt das? Wenn ich mich nun von den reißerischen Schlagzeilen – diese Folge hat ja auch eine – wegbewege und mal die Fakten recherchiere, stoße ich relativ schnell auf Zahlen der KfW – der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die KfW veröffentlicht ein Mittelstandpanel, das Unternehmen zu verschiedenen Bereichen befragt und die Ergebnisse verdichtet. Demnach sind rund 40% der Unternehmensinhaber im Mittelstand älter als 55 Jahre, so dass hier dann in der nächsten Dekade das Thema Nachfolge ansteht. Bis Ende des Jahres 2026 benötigen laut dem Bundeswirtschaftsministerium rund 560.000 Betriebe eine Nachfolgeregelung. Das ist schon mal eine ziemlich hohe Zahl – 560.000. Und dabei werden in dem Mittelstandspanel ja nur kleine und mittelgroße Unternehmen befragt. Ich gehe also davon aus, dass Freiberufler wie Ärzte oder Rechtsanwälte oder landwirtschaftliche Betriebe da noch gar nicht dabei sind. Dann wäre die Zahl der Betriebe, nochmal größer, die auf der Suche nach einem Nachfolger sind.
Woher kommt nun dieser große Bedarf an Nachfolgern?
Der demografischer Wandel ist hier eine treibende Kraft: Die alternde Bevölkerung, trägt dazu bei, dass viele Unternehmer mit der Frage der Nachfolge auseinandersetzen. Die so genannten Babyboomer-Jahrgänge, also diejenigen, die in den geburtenstarken Jahren nach dem zweiten Weltkrieg bis ungefähr zur Mitte der 60er Jahre geboren wurden, erreichen nun ihr Rentenalter. Aktuell haben wir in Deutschland ca. 51,4 Mio Menschen, die im Erwerbsalter zwischen 20 und 66 Jahren sind. Je nach Entwicklung unserer Netto-Zuwanderung wird diese Zahl der Erwerbspersonen in den kommenden 10 Jahren um 1,6 – 4,8 Millionen sinken – Das prognostiziert DESTATIS. Das heißt, wir werden dann weniger Erwerbstätige Menschen in Deutschland haben. Da sind natürlich dann auch Unternehmer dabei, die irgendwann Ihre Betriebe abgeben wollen. Daher also der hohe Bedarf an Unternehmensnachfolgern.
Welche Arten der Nachfolge gibt es grundsätzlich?
Familienintern: Man spricht von einer familieninternen Nachfolge, wenn das Unternehmen an die nächste Generation weitergegeben wird. Dabei wird bei kleineren Unternehmen sowohl das Eigentum als auch die Führung innerhalb der Familie übertragen. Wenn es in einer Familie mehrere Geschwister gibt, von denen nur einzelne den Betrieb übernehmen, sollten die Eltern natürlich auch die Gerechtigkeit im Blick auf das Erbe im Blick haben. Als ich damals meinem Vater in der Rohrsanierungsfirma nachgefolgt bin, haben wir das mit meinen Geschwistern sauber geregelt. Da ist also im Erbfall auch gar kein Streitpotential mehr vorhanden.
Unternehmensintern: Bei der unternehmensinternen Nachfolge kaufen ein oder mehrere Beschäftigte des Unternehmens – oftmals aus dem Management – das Unternehmen ganz oder teilweise und übernehmen die Führung. Vorteil hierbei ist, dass sie den Betrieb ja schon sehr gut kennen, da sie hier schon tätig sind.
Externe Nachfolge: Wenn jemand von außerhalb der Familie oder des Betriebes das Unternehmen erwirbt, spricht man von Externer Nachfolge. Hierfür kommen sowohl Existenzgründer in Frage, aber natürlich auch Wettbewerber oder Kunden, die sich strategisch erweitern wollen. Auch „Profi-Investoren“, also Kapital-Vermehrer sind in einigen Branchen unterwegs, da Unternehmen ja auch ein ganz spannendes Asset sind.
Natürlich gibt es auch Mischformen zwischen den genannten Nachfolgearten. Also wenn z. B. die Anteile bei der Familie verbleiben, das Unternehmen aber (teilweise) extern geführt wird z.B. durch einen Fremdgeschäftsführer.
Auch eine schrittweise Nachfolge ist nicht unüblich, bei der also die Anteile der abgebenden Generation schrittweise an die Nachfolger abgegeben werden.
Und warum ist Nachfolge nun so schwierig?
Dafür gibt es viele und komplexe Gründe: Natürlich muss ein Senior-Unternehmer erst einmal einen potentiellen Nachfolger finden. Dazu kann er in der eigenen Familie, im Betrieb oder außerhalb nach Kandidaten suchen. Außerdem könnte der Unternehmen ja seinen Betrieb als Ganzes oder in Teilen verkaufen – auch dann bräuchte er einen Käufer und je nachdem wer das Unternehmen dann kauft, braucht dieser ja auch jemanden, der dann die Geschäfte führt. Auch fähige angestellte Manager fallen ja nicht vom Himmel…Laut dem KfW-Mittelstandspanel, für das im 1. Halbjahr 2023 11.300 Betriebe befragt wurden, ist das Finden eines geeigneten Nachfolgers für 74% der Unternehmer das Hauptproblem.
Wenn dann ein möglicher Nachfolger gefunden ist, geht es dann ans Eingemachte: Der Betrieb muss bewertet werden. Das alleine ist ja schon fast eine Wissenschaft für sich: Welches Berechnungsverfahren verwendet man? welche Multiplikatoren setzt man in die Formeln ein? welche Bilanzergebnisse und Kennzahlen fließen ein? Gibt die Bilanz überhaupt alles richtig wieder oder schlummern irgendwo noch Chancen und Risiken? Das ist also gar nicht so leicht…
Dann kommen steuerliche und rechtliche Komponenten hinzu: Freibeträge für Schenkungen in der Familie, Gestaltung des Betriebsüberganges für die Beschäftigten, Abgrenzung von Garantie- oder Gewährleistungsverpflichtungen…
Und Finanziert werden muss das Ganze für den Käufer ja auch noch. Da gibt es natürlich Förderprogramme vom Bund bzw. vergünstigte Darlehen, aber auch die müssen erstmal beantragt und bewilligt werden, was je nach zur Verfügung stehenden Zahlen auch schon viel Arbeit beinhaltet.
Tatort Unternehmen?
Ich glaube, es gibt aber noch mehr Gründe, weshalb Nachfolge in Deutschland so ein schwieriges Thema ist: Das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit ist ja auch nicht immer so positiv. Je nachdem, welche Zeitschrift oder welche Social Media-Kanäle man so konsumiert, taucht der Deutsche Mittelständler als narzisstischer Kapitalist, der seine Mitarbeiter und die Umwelt ausbeutet, auf. Das ist jetzt nicht nur meine Wahrnehmung, sondern es wurde vor knapp 10 Jahren sogar eine Studie mit dem Titel „Wirtschaftsbilder in der Fernsehunterhaltung“ veröffentlicht. Hierzu haben sich die Hamburg Media School und das Institut für empirische Medienforschung in Köln u.a. den Fernsehkrimi „Tatort“ im Detail angesehen. In der Zusammenfassung der Ergebnisse heißt es: „Im „Tatort“ gibt es Wirtschaftsakteure in leitenden Positionen, die nach Erfolg, Ansehen, Macht und Reichtum streben und dafür auf Familie, Freunde oder Vergnügen verzichten„. Echt jetzt? – das ist das Bild der Unternehmer in der Öffentlichkeit? Na kein Wunder, dass kein junger High-Potential Lust hat, so ein Unternehmer zu werden.
Und natürlich sind wir Unternehmer selbst auch ein bisschen mit Schuld an der Misere – wenn wir permanent über Regulierung und Bürokratie, den Fachkräftemangel oder über blöde Kunden jammern, machen wir auch niemandem den Mund auf Unternehmensnachfolge wässrig. Oder wir prahlen mit unserer 60 – 70 Stunden-Woche und vergessen, dass das für unsere Kinder gar nicht attraktiv ist, so viel zu Arbeiten – Stichwort Work-Life-Balance…
Wenn ich das nun zusammenfasse, lässt sich festhalten:
- Nachfolge ist ein Thema, das in den nächsten Jahren viele Betriebe und Inhaber beschäftigen wird.
- Es gibt verschiedene Versionen von Unternehmensnachfolgen, die sich auch kombinieren oder schrittweise umsetzen lassen.
- Nachfolge ist aber auch sehr komplex. Es gibt eine Reihe von sachlichen Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Auf die emotionalen Fallstricke gehe ich in späteren Folgen nochmal ein.
- Das Bild der Unternehmer ist nicht immer positiv, wozu wir manchmal mit unserem Gejammer selbst beitragen.
Ich hoffe, Dir hat dieser kurze Einstieg in das Thema Nachfolge gefallen? Falls Du ein konkretes Nachfolge-Thema hast, welches Du gerne mit mir besprechen möchtest, nimm doch gerne Kontakt zu mir auf!